David Siegel: „Irgendetwas hat die Schanze an sich, dass sie mir besonders gut gefällt“

Mit seinem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften hat er überrascht und die Skisprung-Fans aufhorchen lassen. Wir haben vor dem Saisonauftakt in Kuusamo mit David Siegel (20) über Ziele, die Stimmung im Team und die Schanze in Garmisch-Partenkirchen geredet.

Neujahrsskispringen.de: David, wie fühlt es sich für dich an den Titel des deutschen Meisters zu tragen?

David Siegel: Unbeschreiblich, denn es war sehr überraschend. Ich habe gewusst, dass im Sommer schon viel vorangegangen ist und viele Fortschritte gemacht wurden, aber dass es zum Deutschen Meistertitel reicht, damit hätten wir alle nicht gerechnet.

Neben dem deutschen Meistertitel hast du mit einigen Auftritten im Sommer-Grand-Prix und Weltcup auf dich aufmerksam gemacht und gehst als amtierender Junioren-Weltmeister in die neue Weltcup-Saison. Was sind deine Erwartungen für die anstehende Saison?

Erwartungen habe ich erstmal keine, aber Ziele. Es geht vor allem darum an die Leistungen vom Sommer und letztem Winter anzuknüpfen und mich im Laufe des Winters stabilisieren zu können. Ein definitiv großes Ziel für mich ist es, ein fester Bestandteil der Weltcup-Mannschaft zu werden. Außerdem wollen wir bei der Vierschanzentournee das zeigen, was wir im Training erarbeiten. Dann wird man sehen, wie viel die Vorbereitung der letzten Monate letztendlich wert war.

Vor knapp 2 Wochen wart ihr ja in Garmisch-Partenkirchen zu Gast, um die ersten Trainingssprünge auf der Eisspur zu absolvieren. Wie laufen die Vorbereitungen bisher insgesamt im Hinblick auf den Weltcup und speziell auch auf die Vierschanzentournee und wie war das Gefühl nach der Sommer-Saison langsam wieder ein Gespür für das Eis zu bekommen?

Die Vorbereitungen laufen bisher gut und planmäßig. Gerade auch durch die Ergebnisse, die im Sommer erreicht wurden, haben wir die nötige Lockerheit, die man beim Springen einfach braucht und wissen, dass wir als Team auf dem richtigen Weg sind. Deshalb ist der Fokus nach wie vor da, wir wissen was wir machen und in welche Richtung wir gehen müssen, um erfolgreich zu sein. Es war einfach ein tolles Gefühl wieder bei kälteren Temperaturen zu springen und das Fahrgefühl auf dem Eis möglichst schnell wiederzubekommen. Es ist halt nochmal näher dran, am Springen im Winter.

Letztes Jahr hast du beim Neujahrsskispringen den 16. Platz erreicht und somit auch deine ersten Weltcup-Punkte sammeln können. Insgesamt wurdest du dann 50. bei der letztjährigen Vierschanzentournee. Was ist deiner Meinung nach dieses Jahr bei der Tournee drin und was ist dein persönlich gestecktes Ziel?

Auf eine Platzierung will ich mich gar nicht festlegen. Es ist ja nach wie vor so, dass ich selbst nur Einfluss auf meine eigene Leistung und Sprünge habe. Vom Ergebnis hängen natürlich dann auch nochmal die äußeren Bedingungen ab und auch die Leistung der Anderen. Was auf jeden Fall drin sein sollte und ich erreichen möchte, ist es auf allen vier Springen der Tournee dabei zu sein und überall die Atmosphäre genießen zu können.

Bleiben wir bei der Vierschanzentournee. 2014/15 gewann Richard Freitag das Springen in Innsbruck, Severin Freund bei der letzten Tournee das Auftaktspringen in Oberstdorf. Seit Sven Hannawald in 2001/02 hat Garmisch-Partenkirchen keinen deutschen Sieger mehr gesehen. Kann es schon dieses Jahr wieder soweit sein und wie ist die Stimmung im Team?

Die Stimmung ist sehr gut. Es wissen dennoch alle, dass noch ein kleines Stück bis ganz oben fehlt und das wollen wir uns jetzt in den nächsten Wochen und Wettbewerben zurückholen. Wir wissen aber auch, dass wir dieses Jahr mannschaftlich gut aufgestellt sind. Doch wie schnell jetzt tatsächlich einer ganz oben landen kann, das wird sich dann herausstellen. Wir werden natürlich alles dafür tun, was in unserer Macht steht, dass es vielleicht bei der Tournee wieder für einen deutschen Sieg reicht.

Anfang des Jahres konntest du ja schon einen Erfolg in Garmisch-Partenkirchen beim Continental-Cup verzeichnen. Was verbindest du mit dieser Schanze?

Auf jeden Fall die ersten Erfahrungen, die ich im Weltcup sammeln durfte und meinen zweiten Sieg in der Continental-Cup-Serie. Bisher war es einfach so, dass jeder Wettkampf, der auf dieser Schanze stattgefunden hat, auch ein guter Wettkampf war und ich stets zeigen konnte, was ich mir im Training erarbeitet habe. Entweder stimmt die Schanze oder das Wetter dort, die Atmosphäre – irgendetwas hat die Schanze an sich, dass sie mir besonders gut gefällt.

Wenn wir etwas abseits der Schanze schauen: Du hast in diesem Sommer erfolgreich deine Ausbildung bei der Bundespolizei absolviert. Wie wichtig ist der Ausgleich zwischen Sport und Beruf?

Die Bundespolizei unterstützt mich aus sportlicher und beruflicher Sicht bei allem und sichert mich unter anderem auch für die Zukunft ab. Außerdem sind die Trainingsmöglichkeiten in Bad Endorf hervorragend. In der Ausbildungszeit war der Sport für mich ein sehr wichtiger Ausgleich. Im Sport und gerade im Skispringen ist es bekannt, dass bei zu vielen Gedanken, die nötige Gelassenheit nicht mehr gewährleistet und alles zu gesteuert ist. Dann ist es schwierig auf der Schanze die besonderen Momente und Erfolge passieren zu lassen. Eine andere Aufgabe zu haben, wo ich mich abends einfach mal mit einem anderen Thema beschäftigen kann, ist einfach gut für mich. 

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen eine gute und verletzungsfreie Saison! 

09.11.2016

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